Historisch und nachhaltig: Der Michaelerplatz
INFRASTRUKTUR
Ăndert man etwas, das immer schon so war, ist die Aufregung meist groĂ. Und so war es auch bei der Umgestaltung des Michaelerplatzes in Wien. Vorher gab es Kritik von Medien, Fachleuten, Architektinnen und Experten. Doch das Ă€nderte sich, nachdem die PORR das Projekt erfolgreich umgesetzt hatte.
Bei der Umgestaltung des Michaelerplatzes wurde besonders darauf geachtet, den historischen Charakter im Einklang mit dem Denkmalschutz zu bewahren. Um 1725 konzipiert, wurde der barocke Sternplatz erst Ende des 19. Jahrhunderts realisiert. Einst stand hier das alte Burgtheater. 1838 gab es ebenda die erste öffentliche Gasbeleuchtung, 1927 den ersten Kreisverkehr Wiens und den einzigen mit Fahrtrichtung im Uhrzeigersinn. Umgeben ist der Michaelerplatz von der Hofburg, dem Looshaus, der Michaelerkirche und dem Palais Herberstein. Mitten auf dem Platz befinden sich archĂ€ologische Ausgrabungen, die seit 1991 freigelegt sind und vom Architekten Hans Hollein eingefasst wurden. Ein besonderer Fokus lag fĂŒr uns auf der Erhaltung und Restaurierung dieser hochwertigen Platzgestaltung. Aus stĂ€dtebaulicher Sicht war die freibleibende Blickachse vom Kohlmarkt auf das Michaelertor mit der Michaelerkuppel sehr wichtig. Aber bei der Umgestaltung gab es noch viel mehr zu beachten.

Projektname: Neugestaltung Michaelerplatz
Auftraggeber: MA28
Auftragnehmer: Porr Bau GmbH Tiefbau NL Wien
Architekt/Planer: BĂŒro Katzberger
Auftragsart: Einheitspreisvertrag
Projektart: StraĂenbau (Pflasterung mit Granitplatten)
Leistungsumfang: Neugestaltung eines Innenstadtplatzes mit Granitplatten und StraĂenoberbeton
Auftragsvolumen: EUR 2,7 Mio.
Baubeginn: 04/2024
Bauende: 11/2024
Standort: 1010 Wien, Michaelerplatz
Neue LebensqualitÀt

Ein wesentliches Ziel der Umbauarbeiten war es, den Michaelerplatz fĂŒr FuĂgĂ€ngerinnen und FuĂgĂ€nger attraktiver zu gestalten. Die bereits bestehende FuĂgĂ€ngerzone wurde von der Seite des Kohlmarktes ĂŒber die Platzmitte bis zur Reitschulgasse erweitert. Damit wuchs der Kohlmarkt in die LĂ€nge, und die FlĂ€che fĂŒr den motorisierten Verkehr am Michaelerplatz hat sich dadurch halbiert. Die neue helle Natursteinpflasterung â 12 cm dicke Granitplatten â wertet nicht nur das Erscheinungsbild auf, sondern ermöglicht auch das Versickern von Regenwasser. Auf der verbliebenen VerkehrsflĂ€che sind die holprigen Pflastersteine einer widerstandsfĂ€higeren und ebenen Betondecke gewichen, was den Rollstuhl- und Radfahrerinnen und -fahrern zugutekommt. Weiters laden nun einige Sitzgelegenheiten zum Verweilen und Entspannen ein. Die neue barrierefreie OberflĂ€che wurde mit einem taktilen Leitsystem fĂŒr blinde und sehbehinderte Personen ergĂ€nzt. Hinzukommen noch speziell auf den Platz abgestimmte BĂ€ume. Die ĂŒbrige FlĂ€che wurde zur Begegnungszone. Der Verkehr wird durch eine Einbahn von der Herrengasse bis zur Reitschulgasse gelenkt. Ausgenommen von der Einbahnregelung sind nur Radfahrende und Taxis.
Historische Herausforderung

Eine besondere Aufgabe war fĂŒr uns die Errichtung einer Baumeinfassung im Bereich des sogenannten ĂrchĂ€ologiefelds mit den Ausgrabungen. In den Jahren 1990 und 1991 hat man hier rund 2.000 Jahre Siedlungsgeschichte aufgedeckt. Zur Römerzeit war genau an dieser Stelle ein Teil der Lagervorstadt â der sogenannten canabae legionis -, in der die Angehörigen der Legionssoldaten, HĂ€ndler und Handwerker lebten. Wo der Michaelerplatz ist, gab es GasthĂ€user, WerkstĂ€tten und LĂ€den. Es war also immer schon viel los im Zentrum Wiens. Die Funde sind öffentlich zugĂ€nglich und können jederzeit bestaunt werden. Damit sie unbeschadet bleiben, haben wir fĂŒr die neuen BĂ€ume in der Mitte des Platzes eine Spezialkonstruktion entwickelt â eine Stahlbetonkonstruktion, die sich ĂŒber dem alten Ziegelgewölbe aus der Römerzeit befindet.
Nachhaltige Aufwertung
Nach Fertigstellung der UmbaumaĂnahmen wurde der Michaelerplatz von StadtrĂ€tin Ulli Sima, Bezirksvorstand Markus Figl und Erhard Rauch, Pfarrer der Michaelerkirche, feierlich eröffnet. âWir hoffen, die Quadratur des Kreises geschafft und möglichst viele WĂŒnsche untergebracht zu habenâ, sagte die StadtrĂ€tin. Jetzt könne man den Platz auch mit dem Rad queren, âohne sich eine GehirnerschĂŒtterung zu holenâ. Der neue rillenfreie Untergrund in Kombination mit einer Reduzierung des Fiakeraufkommens â nur vier StellplĂ€tze sind geblieben â und Vorkehrungen fĂŒr die Ableitung von AbwĂ€ssern sorgen auch dafĂŒr, dass der ehemals â vor allem in den Sommermonaten â stechende Geruch heute kaum noch wahrzunehmen ist. Die kritischen Stimmen sind jedenfalls, nach einigen runden Tischen und Adaptierungen der OriginalplĂ€ne, verstummt. Wir haben den Michaelerplatz sowohl erhalten als auch neugestaltet und verbessert. Und heute, ein Jahr spĂ€ter, kann man sagen: Wir haben einen historisch modernen WohlfĂŒhlort mitten in Wiens Innenstadt erschaffen.
