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BĂŒrogebĂ€ude OST BMW Freimann MĂŒnchen

14.02.2019 / Deutschland / Roman Galler
HOCH
BAU
Übersicht

Factbox


Auftraggeber: BMW AG

Auftragnehmer: PORR Design & Engineering GmbH

Auftragsart: Generalplanung

Projektart: Design & Engineering, Hochbau

Leistungsumfang: Generalplanung fĂŒr Entwurf, Einreichung und AusfĂŒhrung

Baubeginn: 10/2016

Bauende: 02/2019

Ort: MĂŒnchen

State-of-the-Art Planung mit BIM und LEAN

FĂŒr das Projekt BMW Freimann erstellte die PORR Design&Engineering die Entwurfs-, Einreich- und AusfĂŒhrungsplanung. Kosten- und Zeitkorsett waren eng bemessen.

Der Leistungsumfang beinhaltete Planungs- und Beratungsleistungen fĂŒr ein vierstöckiges BĂŒrogebĂ€ude mit einer Tiefgarage und einem Konferenz- und Gastronomiebereich.Die PORR setzte auf Integrale Planung, Building Information Modeling (BIM) und LEAN Design.

Auf einer FlĂ€che von ca. 19.700 mÂČ bebauter FlĂ€che entstand der neue BĂŒrokomplex. Quelle: PORR

Hintergrund

Mit dem neuen BĂŒrogebĂ€ude OST in Freimann werden die bislang auf mehreren Standorten verteilten Bereiche der BMW-Bank, des BMW-Vertriebs sowie sĂ€mtliche Abteilungen des Leasinganbieters Alphabet International in einem GebĂ€udekomplex zusammengefasst. Die Anlage bietet auf rund 72.500 mÂČ BruttogeschossflĂ€che 2.229 flexible ArbeitsplĂ€tze fĂŒr 3.120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Entwurfs-, Einreich- und AusfĂŒhrungsplanung erfolgte ab Oktober 2016 durch die PORR Design & Engineering GmbH (PDE) mit UnterstĂŒtzung der Fachabteilung fĂŒr Brandschutz und PDE Design Studio.

FĂŒr die Realisierung des Projekts zeichnete ab Juni 2017 ein Joint Venture aus PORR Bau GmbH . Abteilung Großprojekte und der PORR Deutschland GmbH verantwortlich. Sowohl in der Planungs- als auch in der AusfĂŒhrungsphase verfolgte die PORR mit dem Einsatz von Building Information Modeling (BIM), Lean Management und Integraler Planung einen gesamtheitlichen Projektansatz, der alle SchlĂŒsselgewerke umfasste.

Enger Zeit- und Kostenrahmen

Bei der Umsetzung des Projekts war die PORR von Beginn an mit klaren Vorstellungen und Vorgaben des Auftraggebers konfrontiert. Da der Entwurf des Architekten das Budget um 10 Millionen Euro ĂŒberstieg, erhielt die PORR Design & Engineering nach Leistungsphase 2 den Auftrag, mittels Value Engineering Optimierungspotenziale zu identifizieren, um den Kostenrahmen einhalten zu können. Der erfolgreiche Abschluss dieser herausfordernden Aufgabenstellung sicherte nicht nur den Generalplanungsauftrag, sondern brachte anschließend auch den Auftrag zur Errichtung des BĂŒrogebĂ€udes durch die PORR. In der Rolle als Generalplanerin galt es dann ab Leistungsphase 3 nun, sich strikt an den Zeit- und Kostenrahmen zu halten. FĂŒr ein bestmögliches Ergebnis innerhalb der vorgegebenen Kosten wĂ€hlte die PORR in der Entwurfsplanung einen Design-to-Budget-Ansatz. Dabei waren sĂ€mtliche am Projekt beteiligten Gewerke gefordert, die Projektziele innerhalb der von BMW genehmigten Kosten umzusetzen.

Das enge Zeitkorsett erforderte die Umkehrung der Leistungsphasen Entwurf und Bauantrag. Die Einreichung des Bauantrags wurde auf Basis der Vorentwurfsplanung vorgezogen. Die Entwurfsplanung erfolgte parallel und grĂ¶ĂŸtenteils im Nachgang. Damit mussten die in der Entwurfsphase eingearbeiteten Änderungen im Zuge einer Tektur genehmigt werden.

Eine zusĂ€tzliche Vorgabe des Bauherrn war es, das Bauvorhaben so weit wie möglich in modularer Bauweise unter Verwendung von vorgefertigten Systemelementen umzusetzen. Dabei kamen unter anderem Betonfertigteile fĂŒr Decken, WĂ€nde, Fassadenelemente und Treppen sowie FertigschĂ€chte mit vorgefertigten Haustechnikinstallationen zum Einsatz.

Vom Projektbeteiligten zum Projektpartner

Beim Projekt BMW Freimann setzte die PORR in die Praxis um, was bei vielen anderen Bauprojekten nicht mehr ist als schöne Theorie: Der neue BMW-Komplex ist ein echtes Gemeinschaftsprojekt. Der Bauherr sowie die PORR und ihre Partner-Nachunternehmer arbeiten in Form eines Partnering-Modells von der Planung bis zur schlĂŒsselfertigen Umsetzung

eng zusammen. ZusĂ€tzlich bringen sie ihr spezifisches Wissen, ihre Erfahrung und ihr Know-how ein. Entgegen weit verbreiteter BefĂŒrchtungen ersetzt dieses Partnering-Modell keinen der Projektbeteiligten, sondern optimiert vielmehr deren Zusammenwirken. Aus Projektbeteiligten werden auf diese Weise Projektpartner.

Ein echtes Gemeinschaftsprojekt, bei dem der Bauherr und alle Projektbeteiligten von Beginn an eng zusammenarbeiten.

Integrale Planung

Ein wesentlicher Teil eines gemeinschaftlichen Bauprojekts ist die integrale Planung, die gleichzeitige Mitwirkung aller am Planungsprozess beteiligten Fachdisziplinen. Wesentliches Element ist die frĂŒhzeitige Einbeziehung aller notwendigen Expertinnen und Experten im Planungsteam und deren gleichzeitige und abgestimmte Bearbeitung der Planungsaufgaben. Auf Basis dieses Konzepts wurde auch die Projektplanung fĂŒr das Projekt Freimann mit allen beteiligten Fachgruppen gemeinsam durchgefĂŒhrt. Entscheidend dabei war die enge Teamarbeit von PDE, PORR Großprojekte, PORR Deutschland Niederlassung MĂŒnchen sowie der ausfĂŒhrenden Firmen der wichtigsten Gewerke wie Technische GebĂ€udeausrĂŒstung (TGA), Fassade, Innenausbau und GebĂ€udeautomation. Projektverantwortliche all dieser Fachgruppen waren durch ihre aktive Teilnahme am Planungsprozess, durch regelmĂ€ĂŸige Teilnahme an Planungsbesprechungen oder der Erstellung von planungsrelevanten Unterlagen und Dokumenten von Beginn an in die Planung involviert. Das Know-how der ausfĂŒhrenden Gewerke konnte somit bereits in die Entwurfsplanung und in weiterer Folge auch in die AusfĂŒhrungsplanung einfließen.

Aktiver Austausch soll in den vielen Projektbereichen stattfinden. Quelle: PORR Design & Engineering

BIM und LEAN

Um die Planungsprozesse von Beginn an zu verschlanken und zu optimieren sowie die gewĂŒnschten Kosteneinsparungen umzusetzen, setzte die PDE auf LEAN Design. Dabei erarbeiteten die verschiedenen Teams in einem gemeinsamen Produktionsplan konkrete Vorschau- und Arbeitspakete. Diese PlĂ€ne wurden wöchentlich in einer so genannten „PEP“ Sitzung (Produktion-Evaluation-Planung) gemeinsam evaluiert und daraus neue Arbeitspakete fĂŒr die nĂ€chste Woche definiert. So konnten Hindernisse, Abweichungen und LeerlĂ€ufe frĂŒhzeitig erkannt und eliminiert werden.

Weiters erfolgte die gesamtheitliche Planung in einem digitalen GebĂ€udemodell unter Einsatz von BIM. Mit BIM werden alle relevanten Bauwerksdaten digital modelliert, kombiniert und erfasst und als virtuelles Modell auch geometrisch visualisiert. Dieses dreidimensionale GebĂ€udemodell enthĂ€lt die Gewerke Architektur sowie Tragwerksplanung. FĂŒr die GebĂ€udetechnik wurde aufgrund der Datenmenge ein separates Modell erstellt, das in das Hauptmodell integriert wurde. Die Verwendung von BIM war eine Grundvorraussetzung des Bauherrn, um auch den spĂ€teren Betrieb des GebĂ€udes mit dem digitalen GebĂ€udemodell zu steuern und mit den Anforderungen des BMW Facility Management zu verknĂŒpfen.

In den Verbindungsspangen im Innenbereich werden Kommunikationszonen mit TeekĂŒchen eingerichtet. Quelle: PORR Design & Engineering

Überzeugendes Ergebnis

Der neue GebĂ€udekomplex erstreckt sich ĂŒber 248 m LĂ€nge und 96 m Breite und gliedert sich kammartig in je vier GebĂ€uderiegel und Verbindungstrakte. Die durch die GebĂ€udestruktur entstehenden regelmĂ€ĂŸigen Atrien sorgen fĂŒr eine gute Belichtung der BĂŒroflĂ€chen.

Die BĂŒros sind als offene Flex-Offices gestaltet und verfĂŒgen ĂŒber sogenannte Think Tanks fĂŒr ungestörte GesprĂ€che, Konferenzen und Gruppenarbeiten. In der Erdgeschosszone befinden sich die zusĂ€tzlichen Nutzungen Gastronomie, Cafeteria, Konferenz und PrĂ€sentation (Closed Room), sowie ein BMW Group Fitness Center.

Im Außenbereich vor dem Haupteingang sowie im Foyer sind FlĂ€chen zur FahrzeugprĂ€sentation vorgesehen. Quelle: PORR Design & Engineering

Die Außenansicht des GebĂ€udes ist mit einer Lochfassade im oberen Bereich mit einem hellen Fassadenputz und im Erdgeschoss dunkel abgesetzt gestaltet. Die GebĂ€udetechnik entspricht dem aktuellen Stand der Technik und verfĂŒgt in den BĂŒro-, Besprechungs- und KonferenzrĂ€umen ĂŒber eine geregelte, mechanische LĂŒftung in Verbindung mit einer Heiz-KĂŒhl-Decke. Die eingeschossige Tiefgarage liegt flĂ€chendeckend unterhalb des GebĂ€udekomplexes. Die Außenanlagen bieten mit ihren zahlreichen BĂ€umen und GrĂŒnflĂ€chen angenehme Erholungsorte im Freien. In der Tiefgarage können rund 450 Pkw und 85 FahrrĂ€der untergebracht werden. ZusĂ€tzliche StellplĂ€tze fĂŒr Pkw und FahrrĂ€der befinden sich im Außenbereich.

Nachhaltig gebaut

Das GebĂ€ude unterliegt dem BMW-eigenen Bewertungssystem fĂŒr nachhaltiges Bauen, das den Anforderungen des internationalen Labels LEED und dem deutschen Standard DGNB Ă€hnelt. Die PDE setzte besonders bei der Materialwahl, der Wasser- und Energieversorgung von Beginn an auf eine umweltfreundliche Planung. Die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten wie Nutzerkomfort, Materialökologie oder RegionalitĂ€t folgt dem von der PORR definierten Referenzsystem „Nachhaltiges Bauen“.

  • 0 mÂČ

    BruttogeschossflÀche

  • 0 mÂČ

    GrundstĂŒcksflĂ€che

  • 0 mÂČ

    Bebaute FlÀche

Technische
Daten

PKW-StellplÀtze

665

Fahrrad-StellplÀtze

412

Anzahl MA gesamt

3.120

Flexible ArbeitsplÀtze

2.230

Desk Sharing Faktor

1:1,4

Fazit

Durch das Partnering-Modell und den integralen Planungsansatz wurden die ausfĂŒhrenden Gewerke bereits zu Projektbeginn in die Planung miteinbezogen. Damit konnten die vom Bauherrn definierten Anforderungen im vorgegebene Kosten- und Zeitrahmen umgesetzt werden.

Durch die Anwendung von LEAN Prinzipien in der Projektabwicklung stellte die PDE sicher, dass der Baubeginn wie vom Bauherrn gewĂŒnscht im Juni 2017 erfolgte.

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