Smart Home: Kein Zutritt fĂŒr Hacker
TALI
SIERUNG
Damit GebĂ€ude smart werden, mĂŒssen sie Daten sammeln. Welche das sind. Was damit passiert. Und wie sie nicht in falsche HĂ€nde geraten. Ein Ăberblick.
Moderne GebĂ€ude sind intelligent. Dank vernetzter, digitaler Sensoren und Ăberwachungssystemen können sie die Heizung, die KĂŒhlung, die Beschattung und die Beleuchtung bis hin zur GartenbewĂ€sserung selbst steuern. Das spart menschliche Ressourcen im Betrieb und bei der Wartung. AuĂerdem arbeiten automatisierte GebĂ€udesysteme energieeffizienter. Und sie erkennen und melden Schwachstellen oder technische Gebrechen frĂŒhzeitig.
Die Daten
Smarte GebĂ€ude können je nach AusfĂŒhrung eine Vielzahl verschiedener Daten erfassen und verarbeiten: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, LichtintensitĂ€t, CO2-Gehalt der Luft. Anzahl der Personen in einem Raum, Energieverbrauch, Betriebsdaten von GerĂ€ten wie die Betriebsdauer der Heizung oder die KapazitĂ€t der PV-Anlage, Einsatzstatus der FahrstĂŒhle oder Daten von Zutritts- und anderen Sicherheitssystemen. Ohne diese Daten bleiben GebĂ€ude aufwendig in der Wartung, trĂ€ge bei der Behebung von MĂ€ngeln und schwerer kalkulierbar â beispielsweise in Sachen Energieversorgung oder Betriebskosten. Insgesamt sind Smart Buildings effizienter als konventionelle GebĂ€ude. Laut Deloitte Smart Building Studie 2023 waren die Betriebskosten von zwanzig analysierten Smart Buildings sogar bis zu 26 % niedriger als jene von konventionellen GebĂ€uden. Der Energieverbrauch war durchschnittlich um 34 % geringer. Gleichzeitig wurde der Komfort in den untersuchten Smart Buildings als sehr hoch wahrgenommen. Um die Klimaziele zu erreichen und im Angesicht steigender Bau- und Energiekosten werden GebĂ€ude in Zukunft nicht ohne smarte Systeme auskommen.
Die Gefahren

Die andere Seite der Medaille zeigt im Extremfall sehr beunruhigende Szenen: Kameras werden zum Ausspionieren von Bewohner*innen genutzt, die Stromversorgung manipuliert oder das Zutrittssystem von Fremden deaktiviert. Unsichere Systeme öffnen Hacker*innen TĂŒr und Tor. BuchstĂ€blich. Mögliche Motive: Datenklau fĂŒr den Schwarzmarkt, Erpressung der Betreiber*innen oder Ăbernahme der Kontrolle fĂŒr Einbruch und Diebstahl vor Ort. Im April 2022 sind zum Beispiel Hacker*innen in das Steuerungssystem des Wiener Stephansdoms eingedrungen und haben dessen Glocken um 02:00 Uhr morgens fĂŒr gut zwanzig Minuten lĂ€uten lassen. AuĂer der kurzen Irritation der Bevölkerung ist zum GlĂŒck kein Schaden entstanden. Das Motiv dieser Tat? Unklar. Aber selbst wenn der Fall unter Jugendstreich abgetan werden könnte, machen VorfĂ€lle wie dieser klar, wie wichtig die Cybersecurity von GebĂ€uden ist â nicht nur im Neubau.
Die MaĂnahmen
Zum Schutz gegen Angriffe von auĂen und zur GewĂ€hrleistung eines reibungslosen Betriebs muss jedes intelligent vernetzte Haus ein umfassendes Sicherheitskonzept haben â sowohl fĂŒr die Betriebs- als auch die Informationstechnik. Die datenbasierten Lösungen und Services von Smart Buildings nutzen Cloud-Plattformen und Internet of Things-Infrastrukturen. Um Daten und Systeme vor Angriffen zu schĂŒtzen, sind alle Verbindungen verschlĂŒsselt und mit sicheren Passwörtern und Zugangscodes versehen. Die Verantwortung fĂŒr die Cybersicherheit von ganzen GebĂ€uden liegt bei den EigentĂŒmer*innen beziehungsweise den Betreiber*innen. Wichtig ist, dass das Sicherheitskonzept laufend evaluiert und angepasst wird. Und wer zu Hause Smart Home Systeme nutzt, sollte unbedingt auch selbst folgende MaĂnahmen zur GewĂ€hrleistung der Cybersecurity treffen:
- Kaufen Sie nur Smart Home GerĂ€te, welche die DIN VDE V 0826-1 erfĂŒllen.
- Achten Sie auf verschlĂŒsselte Verbindungen nach aktuellen Standards.
- Nutzen Sie eine Firewall und ein Virenschutzprogramm.
- Achten Sie darauf, sichere Passwörter einzurichten.
In Deutschland warnt das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz Ende August 2023 vor Cyberangriffen chinesischer Hackergruppen auf Privatpersonen. Diese wĂŒrden sich hĂ€ufen und vor allem ĂŒber Smart Home Systeme passieren.
Das Fazit
Intelligent vernetzte, gut geschĂŒtzte GebĂ€ude sparen Ressourcen, wĂ€hrend sie hohen Komfort bieten. Sie sind ein wichtiger Baustein zur Erreichung der Klimaziele. Cyberattacken sind zwar eine Gefahr, ausgefeilte Sicherheitskonzepte und -technologien breiten aber einen umfassenden, virtuellen Schutzschirm ĂŒber die Systeme. Das Bewusstsein bei EigentĂŒmer*innen und Unternehmen ist groĂ und wird weiter wachsen. Im Jahr 2022 sollen in Deutschland laut Statista insgesamt rund EUR 7,8 Mrd. fĂŒr IT-Sicherheit ausgegeben worden sein; weltweit rund USD 71 Mrd. Im Jahr 2025 rechnet man mit Ausgaben von rund EUR 10,3 Mrd. Euro in Deutschland.