Schmiedtobelviadukt
INFRASTRUKTUR
Factbox
Auftraggeber: ÖBB Infrastruktur AG
Auftragnehmer: PORR Bau GmbH . Niederlassung Tirol
Auftragsart: Baumeisterleistungen
Projektart: Tiefbau/Infrastruktur . Brückenbau
Leistungsumfang: Tragwerksverstärkung und –verbreiterung eines 130 m langen Eisenbahnviadukts sowie Sanierung von 4.000 m² Natursteinmauerwerk und Herstellung eines 450 m langen Zufahrtswegs
Auftragsvolumen: EUR 2,6 Mio.
Baubeginn: 03/2018
Bauende: 10/2018
Sanierung des höchsten Viadukts der Arlbergbahn
Unter extrem hohem Zeitdruck und äußerst beengten Platzverhältnissen sanierte die PORR das über 130 Jahre alte Schmiedtobelviadukt der Arlbergbahn.
Die Sanierung des Viadukts umfasste neben der Tragwerksverstärkung und -verbreiterung auch die Sanierung von 4.000 m² Mauerwerk und die Herstellung eines 450 m langen Zufahrtswegs. Die Tragwerkssanierung musste innerhalb von nur zwei Wochen erfolgen.
Hintergrund
In den letzten Jahren hat die PORR für die Wiener Linien eine Vielzahl an Projekten im Straßenbahnbereich abgewickelt. Ende Mai 2018 konnte erneut ein Projekt mit einer Auftragssumme von EUR 1,4 Mio. an Land gezogen werden. Der Auftrag umfasste die Erneuerung der Gleise und Weichen, der Betongleistragplatte, der Oberflächeneindeckung und zweier Haltestellen im Kreuzungsbereich „Am Spitz“, wo mit der Brünner Straße, der Prager Straße und der Floridsdorfer Hauptstraße drei stark befahrene Straßen aufeinander treffen. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens wurde das Projekt in vier Bauphasen mit einer Dauer von zwei bis vier Wochen unterteilt. Die Abwicklung des Projekts erfolgte durch die Abteilung Bahnbau, Gleisbau OST. Kleine Oberflächenarbeiten wurden durch die PORR Tiefbau, Niederlassung Wien durchgeführt.

Um die Baustelle zu erreichen, mussten wir einen ca. 550 m langen Forstweg sanieren, aufschottern und verlängern.
Bauleiter, PORR Bau GmbH

Umfangreiche Vorarbeiten in schwierigem Gelände
Da das Baugelände nur schienengebunden oder zu Fuß erreichbar war, musste in einem ersten Schritt eine Baustellenzufahrt errichtet werden. Dafür wurde ein ca. 550 m langer Forstweg saniert, aufgeschottert und bis zu einem südlich der Bahn gelegenen Plateau auf der östlichen Seite des Viadukts verlängert. Am Ende des Zufahrtswegs wurde ein Lager- und Umkehrplatz angelegt. Sowohl der Forstweg als auch der Lagerplatz stehen nach der Sanierung des Schmiedtobelviadukts der ÖBB für Erhaltungsmaßnahmen zur Verfügung.

Aus baulogistischen Gründen wurden die Randbalken-Fertigteile schon im März 2018 vorproduziert, während einer kurzen Zwischengleissperre gleisgebunden antransportiert und bis zum Einbau an der Westseite des Viadukts gelagert. Da die Sanierungsarbeiten am Gewölbe- und am Viaduktmauerwerk nur außerhalb der Gleissperre erfolgen konnten, wurde das komplette Brückenbauwerk im Zeitraum Juni bis Juli 2018 eingerüstet. Dabei stellte das extrem steile Gelände bis zu den Pfeilerfüßen für die Gerüstbauer eine große Herausforderung dar. Um die insgesamt 320 t Gerüstmaterial transportieren zu können, wurde eine Materialseilbahn über die Schlucht gespannt. Zudem wurde auf Höhe der Fahrbahnebene ein Konsolgerüst inklusive Geländer am Bestandsmauerwerk befestigt, das in weiterer Folge als Abbruch-, Arbeits- und Schutzgerüst dienen sollte.
Knappes Zeitfensterfür die Tragwerkssanierung
Das Viadukt besteht aus drei größeren Bögen in der Mitte mit einer Stützweite von 26,6 m und zwei kleineren Außenbögen vor den jeweiligen Widerlagern. Auf die rund 4,5 Meter breiten Gewölbebögen sind etwa 80 cm starke Seitenwände aufgemauert. Der Zwischenraum wurde damals mit Schüttmaterial und teilweise Stampfbeton verfüllt. Eine Entwässerungsebene verläuft in den Dachprofilen entlang des Viadukts. Vom jeweiligen Tiefpunkt in der Bogenmitte wird das Wasser abgeleitet.
Die Tragwerkssanierung erledigten wir innerhalb von nur zwei Wochen.
Bauleiter, PORR Bau GmbH

Nach den Vorleistungen der ÖBB wie der Demontage der Fahrleitung oder dem Abbau des Gleisrosts konnte die PORR mit der Sanierung des Tragwerks beginnen. Den Anfang machte das horizontale Schneiden der Gewölbemauern auf die neue Tragwerks-Unterkante. Es folgte der Abtrag des Geländers inklusive Kabeltrog, das Abräumen des Gleisschotters sowie der Abbau der Seitenmauern und der Gewölbeauffüllung.

Nach Herstellung der Sauberkeitsschicht auf der Gewölbeauffüllung und der Verlegung von 2,5 cm dicken Elastomere-Dämmplatten konnte mit der Tragwerksherstellung begonnen werden. Dafür wurde das Viadukt in fünf Bauabschnitten mit einer auf 6,3 m verbreiterten und 45 cm dicken Ortbetonplatte verstärkt. Die dafür notwendigen Schalungs-, Bewehrungs- und Betonierarbeiten wurden zeitlich versetzt in einem Drei-Tage-Rhythmus durchgeführt. Danach wurden eine neue zweilagige Abdichtung zur Brückenentwässerung aufgebracht und die vorgelagerten Fertigteil-Randbalken mit integrierten Kabeltrögen eingebaut. Nach Herstellung des Schutzbetons, der Verlegung der Unterschottermatten sowie sonstiger Komplettierungsarbeiten wurde die Fahrbahnerneuerung mit der Schotterung des Gleisschotterbetts finalisiert. Zum Abschluss wurden die Gleise verlegt sowie die Fahrleitung wiederhergestellt.
Die gesamte Tragwerkssanierung musste innerhalb einer zweiwöchigen Streckensperre im August durchgeführt werden. Der extrem straffe und stundenweise eingetaktete Bauablaufplan stellte das Baustellenpersonal der PORR vor enorme logistische und bauablauftechnische Herausforderungen. Dennoch konnte die Arlbergbahn am 3. September 2018 wieder wie geplant für den Verkehr freigegeben werden.
- 0 m³
Tragwerksplatte (Ortbeton)
- 0 m²
HDW/ Sandstrahlen Natursteinmauerwerk
Technische Daten
- Bridge lengths
130 m
- Bridge deck area
890 m²
- Natural stone masonry removed
170 m³
- Sealing
890 m²
- Elastomeric bearings
680 m²
- Protective concrete layer
580 m²
- Reinforced concrete
50 t
- Prefabricated edge beam
113 Stk.
- Bridge railing
255 m
- Rehab. natural stone masonry
3.000 m²
- Niro anchors dm 20mm
520 m
- New access road
450 m
- Aggregate base course
1.700 m³

Sanierung des Mauerwerks
Bevor die Fahrbahn erneuert werden konnte, mussten die PORR Experten das Bogengewölbe mit 126 Quervorspannungen verstärken. Dafür wurden in 4 m lange horizontale Bohrlöcher Edelstahlstangen dm 20 mm mit aufgerolltem Gewinde geschoben und mit Zementmörtel verfüllt. Danach wurden sämtliche Mauerwerksflächen mit Hochdruckwasserstrahlen gereinigt. Beschädigte Fugenvermörtelungen wurden händisch ausgeschrämt und anschließend mit Trockenspritzbeton wieder kraftschlüssig geschlossen. Zum Abschluss der Sanierungsarbeiten wurden die Mauerwerksflächen für ein einheitliches Erscheinungsbild mit einem Sandstrahlgerät bearbeitet.
Fazit
Die PORR konnte bei diesem Projekt ihre Erfahrung und Kompetenz im Infrastruktur- und Brückenbau eindrucksvoll unter Beweis stellen. Die größte Herausforderung bei der Sanierung des Schmiedtobelviadukts waren die sehr beengten Platzverhältnisse, die topografische Lage der Baustelle in einem Bachgraben sowie die extrem kurze Bauzeit für die Tragwerkserneuerung. Durch die sehr gute Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten konnten dennoch sämtliche Arbeiten termingerecht im Oktober 2018 abgeschlossen werden.





