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15 prägende Frauen in Architektur und Bau

03.03.2026 / Österreich / Karin Bornett
Gebäude aus verschiedenen Quadern mit verspiegelter Glasfassade
BEST OF
Übersicht

Von der Erfinderin des Fertighauses bis zur ersten Pritzker-Preisträgerin: Mit ihrem Pioniergeist, mit Mut und Expertise haben diese Frauen die Architektur- und Baubranche, Stadt- und Landschaftsbilder entscheidend geprägt. Wir stellen diese Persönlichkeiten vor. Und zeigen, warum ihr Einfluss so groß ist. 

Sarah Maria Guppy

Sarah Guppy wurde 1770 in Birmingham in eine wohlhabende Familie geboren. Mit ihrem Patent für den Bau von Brücken ohne Brückenpfeiler aus dem Jahr 1811 gilt sie als Pionierin im Bauwesen. Zehn Patante gehen auf sie zurück. Frauen hatten damals nicht die Möglichkeit, selbst Patente anzumelden. Es war auch ein sehr teurer Prozess. Zu ihren Erfindungen zählen neben der Hängebrücke beispielsweise auch Schutzmaßnahmen für Eisenbahndämme gegen Erosion und Böschungsrutsche durch Pflanzungen oder eine Methode zur Abdichtung von Schiffsrümpfen. Außerdem finanzierte sie das Bristol Institute for the Advancement of Science mit und hatte als Autorin Einfluss auf bautechnische Diskurse.

Kate Gleason

Schon mit zwölf Jahren half die 1865 geborene Kate Gleason in der väterlichen Firma für Werkzeugmaschinen, der Gleason Works. In einer Zeit, in der Frauen und Mädchen weder Wahlrecht, noch ein Recht auf Bildung hatten. Trotzdem war sie 1884 die erste Frau, die an der Cornell University in Ithaca Ingenieurwissenschaften Fachrichtung Maschinenbau studierte. 1914 trat Gleason als erstes weibliches Mitglied der American Society of Mechanical Engineers bei. Sie setzte sich mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs und danach stark für den sozialen Wohnbau ein. Dafür entwickelte sie ein Verfahren, das schnelles, kostengünstiges Bauen ermöglichte: die Herstellung von Fertigwänden aus Flüssigbeton mit Schalungen. Ab 1921 verkaufte Gleasons Baufirma solche Fertighäuser mit sechs Zimmern unter dem Namen Concrest. Das Unternehmen Gleason Works existiert heute noch.

Marion Mahony Griffin

Marion Mahony Griffin wurde 1871 in Chicago geboren und nach dem Freitod ihres Vaters insbesondere von ihrer Mutter gefördert. 1894 schloss sie ihr Studium am Massachusetts Institute of Technology ab. Griffin zählt zu den ersten lizenzierten Architektinnen weltweit. Von 1895 bis 1909 war Griffin entscheidende Mitarbeiterin des berühmten Architekten Frank Lloyd Wright. Vor allem ihre Zeichnungen, die Kunst und Architektur verbinden, haben den Markenauftritt Wrights geprägt. Zu Lebzeiten erlangte Marion Mahony Griffin wenig Ruhm. Heute gibt es Architektur- und Interior-Awards mit ihrem Namen und einen Mahony Griffin Strand in Chicago.

Nora Stanton Blatch Barney

Schwarz-Weiß-Foto einer Frau mit Hut und Mantel
Nora Stanton Blatch Barney 1921, Public Domain

Nora Stanton Blatch Barney, 1883 geboren, war Bauingenieurin und Immobilienentwicklerin in New York. Sie hat 1905 als erste Frau in den Vereinigten Staaten einen Universitätsabschluss in Bauingenieurswissenschaften an der Cornell University gemacht. Außerdem wurde sie als erste Frau Mitglied der American Society of Civil Engineers. Stanton war am Brückenbau bei der American Bridge Company sowie am Bau von U-Bahn-Tunneln in New York City beteiligt. Ab 1914 machte sich die engagierte Frauenrechtlerin und spätere Friedensaktivistin als Planerin zahlreicher Gebäude auf Long Island einen Namen. Im Jahr 2017 benannte das New York City DEP eine Tunnelbohrmaschine nach Nora Stanton Blatch Barney - in Anerkennung ihrer Arbeit an den frühen Wasserversorgungsprojekten in den Catskill Mountains.

Margarete Schütte-Lihotzky

Frau und Mann mit Brille halten Straßenschild
Margarete Schütte-Lihotzky bei ihrer Platzbenennung 1997 (c) Michael Habersatter

Die österreichische Architektin, 1897 geboren, revolutionierte das moderne Wohnen vor allem mit ihrem Design der Frankfurter Küche. Von 1915 bis 1919 studierte sie an der k.k. Kunstgewerbeschule, der heutigen Universität für angewandte Kunst in Wien. Im laufe ihrer Karriere arbeitete die Wienerin unter anderen mit Adolf Loos und war maßgeblich an der Planung von zahlreichen Wohnbausiedlungen beteiligt. Ihre Frankfurter Küche hat Schütte-Lihotzky 1926 nach damals neuesten Erkenntnissen für ergonomisches Arbeiten entworfen. Sie gilt als Prototyp der modernen Einbauküche und als wichtiger Beitrag zu modularem Bauen und Planen.

Zaha Hadid

Zaha Hadid war 2004 die erste Frau, die den renommierten Pritzker-Preis gewann. Geboren 1950 in Bagdad, konnte sich die Architektin mit ihrem  Design international einen Namen machen und zahlreiche Projekte realisieren. Bis zum Ende ihres Lebens im Alter von 65 Jahren hatte Zaha Hadid ein global tätiges Architekturbüro mit rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufgebaut. Mit ihrer Arbeit hat sie sich Denkmäler auf der ganzen Welt gesetzt.

Anne Lacaton

Foto einer Frau mit Brille und grauen Haaren auf einem Podium
(c) Alain Herzog, CC BY-SA 4.0

Die französische Architektin und Hochschulprofessorin Anne Lacaton wurde 1955 geboren und gilt als Vorreiterin der nachhaltigen Sanierung. Ihr Architekturbüro Lacaton & Vassal, das sie mit Jean-Philippe Vassal gegründet hat, ist für seine Projekte nach dem Prinzip Umbau vor Abriss international als Pionier anerkannt. Zu ihren bekanntesten Projekten zählt der Art-deco Palais de Tokyo in Paris. Mit einfachen Mitteln, zum Beispiel vorgesetzten Wintergärten und intelligenten, neuen Strukturen, verwandelt Lacaton auch verwahrloste Wohntürme und Siedlungen aus den 1960er Jahren in zeitgemäße, helle und leistbare Wohnräume. 2019 hat sie mit Vassale den Mies van der Rohe-Preis gewonnen. 2021 wurde ihre Arbeit mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet.

Odile Decq

Die französische Architektin Odile Decq, 1955 geboren, ist spätestens seit den 1990er Jahren eine bekannte Größe. Sie hat schon für Marken wie Alessi Produkte entworfen. Neben Gastprofessuren und Lehrtätigkeiten, unter anderen an der Akademie der bildenden Künste Wien, gründete Decq 2014 zusammen mit Matteo Cainer in Lyon ihre eigene Schule. Das Confluence Institute for Innovation and Creative Strategies in Architecture ist eine unabhängige internationale Architekturschule in Paris. Ihr Ziel: die „Regeln der herkömmlichen Architekturausbildung zu brechen und die Erwartungen der traditionellen Architekturpädagogik zu übertreffen“. Mit ihren Projekten, wie beispielsweise dem Antares Tower in Barcelona, hat Odile Decq zahlreiche Architektur- und Designawards gewonnen.

Kazuyo Sejima

Porträt einer Frau mit Brille
(c) Columbia GSAPP, Creative Commons Attribution 2.0 Generic

Die japanische Architektin Kazuyo Sejima wurde 1965 geboren und begann ihre Karriere nach Abschluss ihres Studiums 1981 beim Stararchitekten Toyo Ito. Seit 1987 ist sie selbstständig. Sejima hat beispielsweise das New Museum of Contemporary Art in New York entworfen und leitete 2010 als erste Frau die Architekturbiennale von Venedig. Im selben Jahr wurde sie für ihre „grazilen und gleichzeitig kraftvollen“ Entwürfe von der Pritzker-Jury ausgezeichnet. 2015 trat Kazuyo Sejima die Nachfolge von Zaha Hadid als Dozentin am Institut für Architektur an der Universität für angewandte Kunst Wien an.

Regine Leibinger

Regine Leibinger, geboren 1963, studierte Architektur an der Technischen Universität Berlin und der Harvard University, wo sie unter anderen auch lehrte. Von 2006 bis 2014 war sie Professorin für Baukonstruktion und Entwerfen an der TU Berlin. Gemeinsam mit Frank Barkow führt sie seit 1993 das amerikanisch-deutsche Architekturbüro Barkow Leibinger in Berlin. Leibinger gilt als prägend für die zeitgenössische, deutsche Architekturszene. Sie entwirft vor allem moderne Industrie- und Gewerbebauten, zum Beispiel für Trumpf. 2022 gründete Regine Leibinger die gemeinnützige Organisation Experimental zur Unterstützung von Projekten, die experimentell in neue Bereiche der Architektur vordringen um die „Art und Weise zu verändern, wie und womit wir bauen.“

Jeanne Gang

Jeanne K. Gang, Jahrgang 1964, ist Gründerin von Studio Gang Architects, das sie 1997 in Chicago eröffnete. Davor war sie im Architekturbüro Office for Metropolitan Architecture, kurz OMA, tätig. Jeanne Gang ist mit ihren Plänen für innovative Hochhäuser bekannt geworden. So stammt etwa der Entwurf des 262 Meter hohen Aqua Tower in Chicago aus ihrer Feder, 2009 bekam sie den Emporis Skyscraper of the Year Award. 2016 wurde sie im Rahmen der Women in Architecture Awards als Architektin des Jahres ausgezeichnet. 

Barbara Holzer

Die Zürcher Architektin Barbara Holzer, geboren 1966, ist bekannt für Museen, Ausstellungen und Großprojekte wie das Wohn- und Büroquartier cataneo oder das Besucherzentrum des Forschungsmuseum Schöningen, das paläo in Niedersachsen, Deutschland. Nach ihrem Studium an der ETH Zürich arbeitete Holzer bei Daniel Libeskind in Berlin. Seit 2002 ist sie mit eigenen Architekturbüros in der Schweiz und international tätig.

Marina Tabassum

Marina Tabassum wurde 1969 geboren und schloss 1995 ihr Studium an der Bangladesh University of Engineering and Technology mit Auszeichnung ab. Heute leitet sie ihr Büro Marina Tabassum Architects, kurz MTA, in Dhaka. Neben Projekten, wie der Baitur-Rauf-Jame-Moschee entwickelte sie ab 2017 mit Studierenden und heimischen Handwerkern Häuser für Menschen im Gangesdelta, die häufig von Überschwemmungen betroffen sind. Jedes Haus durfte nicht mehr als USD 2000 kosten. Das Projekt entstand im Rahmen von Tabassums Lehrtätigkeit an der Harvard University Graduate School of Design. Seit 2020 ist Tabassum Ehrendoktorin der Technischen Universität München. Im Zentrum ihres Schaffens liegen der Bezug zu Landeskultur und -geschichte, traditionellen Baumaterialien und zu regionalen Klimabedingungen. 2025 konnte sich Tabassum in der Serpentine Gallery, ein Kunstmuseum in den Kensington Gardens in London, mit einem Pavillon verwirklichen. Damit gehört sie zu einer Reihe berühmter Persönlichkeiten - von Daniel Libeskind über Zaha Hadid und Jean Nouvel oder Frank Gehry. 

Tatiana Bilbao

Die mexikanische Architektin ist Gründerin des international agierenden Architekturbüros Tatiana Bilbao Estudio. Zu ihren Werken zählen unter anderem der Botanische Garten von Culiacán und die Ausstellungshalle im chinesischen Jinhua Architektur- und Kunstpark. 1972 geboren und 1996 mit Auszeichnung das Studium abgeschlossen, konzentriert sich Tatiana Bilbao heute auf soziale Architektur und nachhaltige Materialien. Sie ist maßgebliche Impulsgeberin für kollaboratives und integratives Planen und Bauen. Im Auftrag von Zisterziensern aus dem österreichischen Stift Heiligenkreuz errichtet Bilbao im deutschen Neuzelle den Klosterneubau Maria Friedenshort. Sie hatte bereits zahlreiche Lehraufträge und unterrichtet regelmäßig an der School of Architecture der Yale University.

Heather Dubbeldam

Porträtfoto einer brünetten Frau
(c) DUBBELDAM Architecture + Design, source: www.v2com-newswire.com.

Die kanadische Architektin Heather Dubbeldam gründete 2003 ihr Unternehmen Dubbeldam Architecture + Design in Toronto. Sie ist vor allem für ihr Engagement für nachhaltiges Bauen und Planen be- und anerkannt. Mit Projekten, wie Bunkie on the Hill, der Bata Shoe Factory oder einem mixed-use creative hub, in dem sich auch ihr Architekturbüro befindet, schafft Dubbeldam neue Nutzungsmöglichkeiten durch die nachhaltige Wiederbelebung von Bestand. Dubbeldam Architecture + Design hat nach eigenen Angaben bis dato mehr als 100 Auszeichnungen und Preise gewonnen. Heather Dubbledam macht sich auch ehrenamtlich in verschiedenen Gremien und Organisationen für nachhaltige Architektur stark.

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